Pressemitteilungen

„Post vom schwarzen Schaf“:Hier fühlte sie sich geborgen

Die früh verstorbene Brigitte Reimann ist eine mythische Autorin der DDR-Literatur. Im jetzt erschienenen Briefwechsel mit ihren Geschwistern entdeckt die Schriftstellerin Kathrin Schmidt sie als Familienmenschen.

Im April 1959 fand eine Autorenkonferenz des Mitteldeutschen Verlages im Elektrochemischen Kombinat Bitterfeld statt. Auf der Tagesordnung stand die Suche nach Wegen, Arbeiterklasse und Kunst zusammenzubringen. Im Ergebnis wurde gefordert, Künstler und Schriftsteller mögen in wichtigen Betrieben der DDR eine Arbeit aufnehmen und die Bedingungen kennenlernen, unter denen die Arbeiterklasse produziert. Daneben sollten sie selbige, zum Beispiel in Zirkeln schreibender Arbeiter, bei eigener Kunstproduktion unterstützen. Brigitte Reimann, glühende Verfechterin dieses Projekts, das unter dem Namen „Bitterfelder Weg“ berühmt wurde, zog 1960 mit ihrem zweiten Mann, dem Schriftsteller Siegfried Pitschmann, sozusagen auf dem Bitterfelder Weg gen Hoyerswerda, um im Kombinat Schwarze Pumpe zu arbeiten. Für dessen Arbeiter wurden in Hoyerswerda Wohnhäuser in industrieller Plattenbauweise errichtet. Die Einwohnerzahl vergrößerte sich von 7000 nach dem Zweiten Weltkrieg auf über 70.000 zum Ende der DDR.

Reimanns Hauptwerk, der Fragment gebliebene Roman Franziska Linkerhand, erschien erst 1974, ein Jahr nach ihrem Tod, in gekürzter oder zensierter Fassung, je nachdem, welche Position man hierzu heute vertreten mag. Es war die Zeit, in der viele Künstler eine Schönwetterphase nach dem Machtwechsel von Walter Ulbricht zu Erich Honecker erhofften. Dass Franziska Linkerhand für DDR-Leser ein Kultbuch wurde, ist wahr, ich erinnere mich gut daran. Alle wussten, dass Hoyerswerda Pate gestanden hatte für die Kulisse des Romans. Die Heldin kommt nicht darüber hinweg, sich in ihrem Architektenberuf zur technischen Zeichnerin degradiert zu sehen und ein Konglomerat von Wohnhöhlen ohne urbane Zentren für Leichtigkeit und Lebenssinn zu planen. Andere Figuren weisen Lebensrisse auf, die vom politischen Straf(un)recht verursacht wurden oder auf Vergewaltigungen durch sowjetische Soldaten bei Kriegsende zurückzuführen waren. Hohe Selbstmordraten, exzessiver Konsum von Westfernsehen – all das hatte Reimann in den Roman hineingeschrieben, auch wenn 1974 davon oft nur Andeutungen übrig blieben. Diese wurden aber sehr wohl verstanden. Für die kleinen und sehr karierten Verhältnisse der DDR roch das nach Aufbruch.

Heute wird Brigitte Reimann vor allem mit dem Roman Franziska Linkerhand identifiziert. Jetzt ist ihr Briefwechsel mit ihren Geschwistern Ludwig, Ulrich und Dorothea erschienen, der just 1960 einsetzt, in jenem Jahr, in dem Reimann in ihre Schicksalsstadt Hoyerswerda zog. Dass der Bitterfelder in ihrem Fall auch ein äußerst bitterer Weg bis zu ihrem frühen Krebstod war, wiederum zwei Ehemänner und eine gewaltige Ernüchterung später, kann auch die Post vom schwarzen Schaf belegen.

Die Eltern leben in Burg bei Magdeburg; die älteren drei Kinder sind bereits aus dem Haus, nur Nesthäkchen Dorothea lebt noch daheim. In zuweilen aufgesetzt wirkendem, unbekümmertem Ton, der Banalitäten nicht auslässt – wie sollte er auch im familiären Austausch! –, wird hin und her geschrieben: über Ausbildung, Liebschaften, Mode, die Geburten von Kindern, Versorgungsprobleme, Geldknappheiten. Aber Bruder Ludwig geht im April 1960 mit Frau und neugeborenem Sohn in den Westen – ein Schlag für Brigitte, die glühend verteidigt, was in der DDR geschieht. Der Bruder antwortet ruhig und mit langen Pausen auf ihre Briefe und erklärt ihr, was ihn weggetrieben hat. Brigitte ist verletzt, stellt aber letztlich eine familiäre Loyalität, wie sie auch vom Vater beschworen wird, über die ideologischen Differenzen. Und diese familiäre Loyalität ist es wohl auch, die das Reimannsche Familienkonstrukt glaubhaft macht: Die wenigen beigesteuerten Tagebucheinträge sagen nichts anderes als die Briefe, wenn es darum geht, wie glücklich man zu Weihnachten wieder bei den Eltern gewesen sei und wie schön es doch sei, den Nichten und Neffen zusehen zu können.

Dass Brigitte Reimann exzessiv rauchte, große Mengen Alkohol trank und meist mehr als eine Männergeschichte zu verarbeiten hatte, wird nicht verheimlicht, aber nicht allen Geschwistern in gleicher Deutlichkeit mitgeteilt. Jedoch nehmen alle nahezu gleichermaßen begierig Anteil an ihrem Schreiben, stolz und kritikfähig, lesen jedes erschienene Stück, hören jedes Hörspiel. Spätestens mit dem Beginn ihrer Krankheit um 1968 besticht die große Aufrichtigkeit, Klugheit und Intelligenz, mit der sich die unterdessen nach Neubrandenburg umgezogene Autorin insbesondere mit ihrem nun Hamburger Bruder verständigt: über vergebliche Hoffnungen, verfemte Autoren und die endlich heruntergerissene Maske des Staatswesens DDR. Viele Jahre lang hatte er ihr Bücher und Schallplatten aus dem Westen verschafft, anfangs über die Adresse des Schriftstellerverbandes, um die Hürde der Postkontrolle zu überwinden, – während sie im Gegenzug Klassikerausgaben schickte …

Wenn das Bild stimmt, das die Herausgeberinnen Angela Drescher und Heide Hampel vermitteln, wuchs Brigitte Reimann wie ihre Geschwister in sicheren Bindungen auf. Das verschaffte ihr bei extrem exzessiver Lebensart trotz allem die Möglichkeit, sich bedingungslos familiär aufgehoben zu fühlen.

Inzwischen übersteigt die Zahl der Tagebuch- und Briefausgaben der Brigitte Reimann jene ihrer Bücher und Hörspiele. Ich möchte nicht verschweigen, dass ich beim Lesen der Geschwisterbriefe zuweilen erschrak und mich wie ein Voyeur fühlte. Mein kleines Glück mitFranziska Linkerhand hätte dieser Briefe nämlich nicht bedurft. Jedenfalls liegen meine eigenen ab sofort unter Verschluss.

 

SZ 23.07.2018

Lebendig wie nur je in Hoyerswerda

Der Kunstverein lud zum 85. Geburtstag der Schriftstellerin Brigitte Reimann in die Begegnungsstätte.

Helene Schmidt las zum 85. Geburtstag von Brigitte Reimann am 21. Juli, dem Sonnabend, in der Hoyerswerdaer Brigitte-Reimann-Begegnungsstätte aus dem soeben erschienenen Briefwechsel Brigitte Reimann – Wolfgang Schreyer, “ Ich möchte so gern ein Held sein“. Die kurzen Auszüge aus der Korrespondenz, überaus klug gewählt und einfühlsam vorgetragen, zeigten die Korrespondenten mit oft verblüffenden Weisheiten und (Selbst-) Erkenntnissen, die klangen, als seien sie soeben fürs Heute geschrieben worden und nicht vor einem halben Jahrhundert.

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Der Staat, das bin ich nicht

| Lesedauer: 4 Minuten

Redakteur Feuilleton/Welt digital Zeitung
Brigitte Reimann (1933 bis 1973)

Quelle: dpa

Sie war die Stimme einer anderen DDR. Wie sehr Brigitte Reimann an ihrem geliebten Land gelitten hat, verraten ihre Geschwisterbriefe. Am 21. Juli wäre die Schriftstellerin 85 Jahre alt geworden.

Am 13. September 1966 schreibt Brigitte Reimann ihrem Bruder Ludwig: „Du warst tüchtig aggressiv und ließest selbst die Toleranz vermissen, die Du von uns forderst. ‚Uns‘ ist nicht ganz richtig: Ich spreche von mir, und Du sprichst mit mir, nicht mit meinem Staat – denn ich besitze nicht die Anmaßung zu sagen: Der Staat, das bin ich.“

Brigitte Reimann wäre heute 85 Jahre alt geworden. Jener Staat, in dem sie 1973 starb, hängt immer noch an ihr und ihrem Werk. Sie bleibt die DDR-Schriftstellerin. Es ist das Schicksal aller, die sich in der DDR am Staat gerieben, „ich“ statt „wir“ gesagt und dabei etwas hinterlassen haben.

Bei ihr sind es ein vollendeter Roman sowie Tagebücher und Erzählungen und vor allem der unvollendete Roman „Franziska Linkerhand“, eines der schönsten Bücher, die für und gegen die DDR geschrieben wurden: Eine junge Architektin geht zur Zeit des Mauerbaus nach Hoyerswerda, das hier Neustadt heißt, möchte den Braunkohlearbeitern eine ideale Welt errichten und stößt an die Grenzen der Idee, auf die sich die Partei beruft. Der ganze Staat sollte später zu einer einzigen Neustadt werden. „Toter als Pompeji“, wie Franziska Linkerhand über die Typenbausiedlungen sagen darf. In der DDR wurde 1974 eine gekürzte Fassung von „Franziska Linkerhand“ publiziert.

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Reimann-Nachmittag

SZ online vom 19.07.2018

Hoyerswerda. Brigitte Reimann hätte am 21. Juli 85. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass lädt der Kunstverein für jenen Sonnabend ab 15 Uhr in die Begegnungsstätte an der Brigitte-Reimann-Straße 8 ein. Vorgestellt wird neben dem Buch „Post vom schwarzen Schaf“ (Seite 15) eine weitere Neuerscheinung, nämlich „Ich möchte so gern ein Held sein“, der Briefwechsel mit dem Autor Wolfgang Schreyer. Er ist erst vor wenigen Tagen im Berliner Okapi-Verlag herausgekommen. (JJ/MK)

 

Reimann-Begegnungsstätte gesichert

Hoyerswerdaer Kunstverein wählt zunächst Interimsführung für 2016

HOYERSWERDA Der Hoyerswerdaer Kunstverein konnte auf seiner Jahresversammlung vorläufig nur einen Interimsvorstand für das neue Geschäftsjahr 2016 bestimmen. Der Programmplan ist dennoch sicher und dicht gestrickt.

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Emotionaler und unterhaltsamer Höhepunkt der Mitgliederversammlung war der von Christine Neudeck multimedial aufgearbeitete Rückblick auf das Veranstaltungsjahr 2015.Foto: Mandy Decker

Unsicherheit herrschte während der Vorstandswahl. Weil der Revisionsbericht zum Kassenbericht der Schatzmeisterin fehlte, war die Entlastung des alten und damit die Wahl des neuen Vorstandes laut Vereinsrecht unmöglich, erklärte Wahlleiter Dieter Tempel. Probleme bei der terminlichen Abstimmung hatten zu dieser Situation geführt. Da aber der bisherige Vorstand in seiner personellen Zusammensetzung bestehen bleibt und die Versammlung mehrheitlich ihr Einverständnis erklärte, handele es sich bei der Neuwahl lediglich um eine Formalie. Vereinsvorsitzender Martin Schmidt wurde somit erneut im Amt bestätigt.

Bei allen technischen Problemen schaute der Verein aber auch in gewohnt geselliger Runde auf das Veranstaltungsjahr 2015 zurück. Wieder einmal hatte Christine Neudeck die 65 Lesungen, Konzerte, Gesprächsrunden und Ausflüge mit viel Liebe zum Detail sowie außerordentlichem künstlerischem und medientechnischem Know How zu einer unterhaltsamen Präsentation zusammengestellt. Ganz nebenbei verpackte die Dokumentaristin zwischen den zwölf Kapiteln des Vereinslebens 2015 in kurzen Vorträgen eine kleine Kunde zur Kultur- und Sprachgeschichte der Region. So erfuhren die Zuhörer von dem vollständigen Fehlen jeglichen Nachweises einer Ansiedlung von Menschen in der Altsteinzeit, von Schmuckfunden aus der Bronzezeit, die in der Sprache des Handwerks von der Vergangenheit erzählen, von der Vermischung der Sprachen im Zuge der Wanderungen der Germanen und von aufmüpfigen Hoyerswerdaern, die schon 1540 Predigten in der Sprache Luthers entgegen nahmen. Die multimediale Collage erntete viel Applaus und Anerkennung.

In die Zukunft blicken die Freunde der Künste und Literatur vor allem mit dem guten Gefühl, dass die personelle Besetzung ihrer Reimann-Begegnungsstätte mit zwei festen Stellen aus dem Programm „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ bis Ende 2018 abgesichert ist. Dafür dankte Schmidt insbesondere der Stadt für die Fürsprache. Auch haben Förderungen der Stiftung für das sorbische Volk, der Robert-Bosch-Stiftung, der Landeszentrale für politische Bildung und des Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien neben sonstigen Spenden und den Eintrittsgeldern im vergangen Geschäftsjahr für schwarze Zahlen in den Büchern gesorgt. Diese positive Entwicklung gilt mit Blick auf die Aufgabenvielfalt besonders der Reimann-Begegnungsstätte. So sind die Eintrittspreise um einen auf vier Euro für Mitglieder und fünf Euro für Gäste erhöht worden.

Das dafür angebotene Programm für 2016 ist wieder dicht gestrickt. Höhepunkte sind für Martin Schmidt unter anderem die Erinnerung an den Todestag von Brigitte Reimann am 20. Februar, zu der auch die Freundin aus den Kindertagen der Schriftstellerin, Irmchen Weinhofen, erwartet wird, die Lesung der Autorin Marica Bodrozic am 26. Februar, die in ihrem Buch „Mein weißer Frieden“ eine authentische Darstellung vom Untergang Jugoslawiens gezeichnet hat, und die Veranstaltung „Drangsaliert und Dekoriert“ am 23. Juni mit Dr. Horst Böttge, dessen Bruder einst die Heizungs- und Wasserversorgung für die Neubaustädte Hoyerswerda und Weißwasser sicherstellte.

Allein bis zum Juni stehen fast dreißig öffentliche Veranstaltungen im Kalender des Kunstvereins.

Mandy Decker


 

LR. 22. Juli 2014

Viel Gefühl zum 81. Geburtstag

Wachsendes Interesse an Brigitte Reimann
und ihrer Wahlheimat Hoyerswerda

Hoyerswerda das besondere Gefühl, sich auf den Spuren einer besonderen Autorin zu bewegen, haben Literaturfreunde beim Reimann-Spaziergang am Vorabend ihres 81. Geburtstages erlebt. Mit dabei: der Berliner Journalist Mirko Schwanitz.

Angela Potowski und Mirko Schwanitz am Reimann-Zeichen, der letzten Station des Spaziergangs.

Katrin DemczenkoFoto: K. Demczenko/dcz1

Spuren hat Brigitte Reimann hinterlassen in Hoyerswerda. Mit ihrem Verstand, ihrer Phantasie und ihren Selbstzweifeln, die sich widerspiegeln in ihren Werken. Dass sie selbst deutlich sichtbar wird an zentraler Stelle, dafür sorgen andere. Und so ließ sich Angela Potowski auf jenem Kunstwerk aus Stein und Edelstahl nieder, das die Reimann nie kennengelernt hat und dennoch starker Ausdruck ihres Einflusses auf die Stadt ist: das Reimann-Zeichen. Dort, im Zentralpark, endete am Sonntag, einem Tag vor dem 81. Geburstag der Schriftstellerin, der Reimann-Spaziergang des Kunstvereins. Und Angela Potowski las aus „Franziska Linkerhand“, einfühlsam und emotional wie es wohl die Autorin geliebt hätte.

Das Interesse an Reimann und Hoyerswerda wird weiter wachsen. Davon ist Mirko Schwanitz überzeugt. Der Berliner Journalist, ein Mann vom Deutschlandfunk, will eine Sendung über die Reimann und Hoyerswerda machen. Auf die Autorin ist Schwanitz vor einem Jahr aufmerksam geworden, als er eine Reportage über die Einweihung des Reimann-Zeichens machte. Nun habe er Zeit gefunden, sich näher mit Brigitte Reimann und dem Kunstverein zu befassen, sagt Schwanitz. Er finde es bewundernswert, wenn Menschen aus der Stadt, in der die Reimann acht schaffensreiche Jahre ihres kurzen Lebens verbrachte, ehrenamtlich das Erbe ihrer bedeutenden Mitbürgerin pflegen. Schwanitz erinnert aber auch daran, dass Hoyerswerda immer noch stark über die rechtsradikalen Ausschreitungen von 1991 wahrgenommen werde. Dazu sagt er: „Das hat die Stadt nicht verdient.“ Er plädiert dafür, den Namen Brigitte Reimann noch stärker kulturpolitisch und touristisch zu nutzen. Das könnte helfen, das Bild von Hoyerswerda deutschlandweit zu verbessern.

Wie facettenreich und streitbar die Autorin war, was ihr wichtig war und wofür sie eintrat, brachte Martin Schmidt den Literaturinteressierten näher. Auf dem Weg zwischen Reimanns einstiger Wohnung im WK I und dem finalen Punkt plauderte der Vorsitzende des Kunstvereins über Reimanns Visionen und Wirklichkeit. Sie habe gekämpft für Kommunikationsräume, habe den Bau eines Jugendklubhauses und des „Centrum“-Kaufhauses durchgesetzt. Heute stehe auch das Kultur- und Tagungszentrum Lausitzhalle, für das sie vor ihrem frühen Tod noch vergeblich gestritten hatte, erklärt Schmidt den Gästen.

Stärker noch als alle Erklärungen sind Reimanns eigene Worte. Auszüge aus ihrem Roman „Franziska Linkerhand“ spiegeln Wirklichkeit, ihre Tagebücher wirken ergreifend. Die Spaziergänger aus Schleswig-Holstein, Berlin und Hoyerswerda können Reimann an authentischen Orten noch besser begreifen. Martin Schmidt sieht ein Jahr nach Einweihung des Reimann-Zeichens eine positive Wirkung der Plastik. Sie ziehe Besucher in die Stadt und helfe, dass sich die Einwohner besser mit ihrer einstigen Mitbürgerin Brigitte Reimann identifizieren. Bernd Wolfgang Hawel, der Mann aus Schleswig-Holstein, sieht Ho yerswerda durch die Brille eines Stadtplaners. Er bezeichnet die Stadt als „Museum der Baugeschichte“. An der Stadt könne er die Phasen des Plattenbaus ablesen, sagt der Planer, und ergänzt, vierstöckige Häuser hätten „ein menschliches Maß“. Hawel lobt: „Im sanierten Zustand mit den vielen Bäumen macht die Stadt einen lebenswerten Eindruck und ist zukunftsfähig.“

Zum Thema:
Brigitte Reimann, geboren am 21. Juli 1933 in Burg (bei Magdeburg), wurde 39 Jahre alt.  Sie kam 1960 nach Hoyerswerda, wo sie bis 1968 wohnte. Während dieser Jahre arbeitete sie im Kombinat Schwarze Pumpe. Für ihre Erzählung „Die Geschwister“ (1963), die sich mit dem Thema der Flucht in den Westen beschäftigt, erhielt sie den Heinrich-Mann-Preis. Ab 1968 wohnte sie in Neubrandenburg und arbeitete dort an ihrem Hauptwerk „Franziska Linkerhand“. Sie erlag 1973 einem Krebsleiden. Der Beitrag von Mirko Schwanitz über Brigitte Reimann gehört zu einer Reihe im Deutschlandfunk, die vom 17. bis 19. August um 17.30 Uhr in „Kultur heute“ ausgestrahlt werden soll.

Katrin Demczenko

 

ZeitungsartikelLR 20.02.2014
der Sächsischen Zeitung

über die Veranstaltung des Kunstverein

mit Ibon Zibiaur, dem spanischen

Übersetzer und B. Reimann

Verehrer vom 20.02.2014

*

Hoyerswerdaer Kunstverein e.V.Pressemitteilung

Am 3. Brigitte Reimann Wettbewerb beteiligen sich mehr als 90 junge Leute

Mitte Januar 2014 endete die Frist für die Abgabe der Beiträge zum 3. Brigitte Reimann-Wettbewerb für junge Leute. Dem Hoyerswerdaer Kunstverein liegen derzeit insgesamt 93 Beiträge – 77 bildkünstlerische + 16 Text Arbeiten – vor.

Dem Wettbewerb lag das Motto „Von Tag zu Tag sehne ich mich mehr nach einem Menschen, der mich versteht…“ zugrunde.

Eine Jury aus Fachleuten der bildenden und der literarischen Künste werden die Beiträge sichten, bewerten und die Preisträger ermitteln.

Der Schirmherr Oberbürgermeister Stefan Skora wird die Preise übergeben und die Ausstellung aller Beiträge im LausitzCenter im Mai 2014 eröffnen. Der Wettbewerb wird vom Hoyerswerdaer Kunstverein getragen, von der Stadt Hoyerswerda und dem Landkreis Bautzen gefördert.

Martin Schmidt

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Besuch in Lichterfeld beim Bildhauer Thomas Reimann

Aus der Lausitzer Rundschau vom 04.04.2013

Lichterfeld-Link anklicken – bitte Geduld der Artikel wird vom Acrobat Reader geladen

Lichterfeld

Spende der Wohnungsgesellschaft über 30 000 €

für das Reimann Zeichen

LR-Spende

Die Brigitte-Reimann-Begegnungsstätte lädt nach Hoyerswerda ein


v. l. Jens Ebert, Monika Ebert, Mandy Decker und Horst Dieter Brähmig OB aD
„Ein Blick ins Buch und zwei ins Leben,…“, heißt es in einem Sprichwort. Nach diesem Motto arbeiten seit 2006 die Mitarbeiter der Brigitte-Reimann-Begegnungsstätte. Sie sammeln alle von Brigitte Reimann geschriebenen Bücher und Briefe sowie Zeitungsausschnitte von ihr und über sie. Als besondere Aufgabe tragen sie die 1700 Bücher umfassende Bibliothek der Autorin zusammen, die die Gedankenwelt der 1950er und 1960er Jahre nachbildet. In der Einrichtung, die vom Hoyerswerdaer Kunstverein geschaffen wurde und betrieben wird, sind auch viele Unterlagen zur baulichen Entwicklung der Stadt zu finden. Diese zu sammeln liegt nahe, weil Brigitte Reimann in ihren acht Hoyerswerdaer Jahren immer engen Kontakt zur Aufbauleitung von Hoyerswerda-Neustadt hatte. Sie stritt um den Bau einer menschengerechten Stadt, in der die Kommunikation ihren Raum bekommt und schrieb in diesem Sinne ihren Roman „Franziska Linkerhand“.

Alle gesammelten Unterlagen stehen Interessenten aus Deutschland, Europa und der Welt zur Verfügung, die das Hoyerswerda der Brigitte Reimann entdecken wollen. Studenten und gestandene Wissenschaftler der Germanistik, Philosophie und Architektur haben das Angebot schon reichlich für ihre Studien genutzt. Auch Schriftsteller, Schülergruppen und Urlauber kommen und bestätigen anschließend im Gästebuch, dass es ihnen gefallen hat. Besondere Besucher, die seit der Eröffnung der Begegnungsstätte deren Arbeit unterstützen, sind Irmgard Weinhofen, die langjährige Freundin von Brigitte Reimann, und die Geschwister der Autorin. Spontan meldeten sich bei Martin Schmidt, dem Vorsitzenden des Kunstvereins, die Kinder von Siegfried Pitschmann, dem Mann von Brigitte Reimann. Sie schenkten der Einrichtung Ende letzten Jahres den Original-Schreibtisch ihres 2002 verstorbenen Vaters.

Wer nun die Begegnungsstätte kennenlernen möchte, hat dazu am 16. März ab 10 Uhr Gelegenheit. Er findet in der Brigitte-Reimann-Straße 8 eine Wohnung vor, die in Grundriss und Einrichtung der Wohnung entspricht, die das Schriftsteller-Ehepaar Reimann/Pitschmann nutzte. Zeitzeugen, die die 1960er Jahre in Hoyerswerda miterlebten, stehen dort zum Gespräch zur Verfügung. Ziel aller Aktivitäten ist es, die neuere Geschichte von Hoyerswerda zu bewahren und das Erbe von Brigitte Reimann in die Zukunft tragen, sagt Martin Schmidt.

Katrin Demczenko

BU: Der Architekt Jens Ebert, der die Lausitzhalle erbaute, ist in der Begegnungsstätte mit seiner Frau und dem ehemaligen Hoyerswerdaer Oberbürgermeister Horst-Dieter Brähmig im Gespräch.

SZ 14.03.2012


Brigitte-Reimann-Spaziergang stellt Hoyerswerda positiv dar

Der Hoyerswerdaer Kunstverein ist ohne die Würdigung der Autorin Brigitte Reimann nicht denkbar. Schon seit den 1970er Jahren organisierten seine Mitglieder immer wieder Lesungen und thematisierten dabei die Auseinandersetzung der Schriftstellerin mit der Entwicklung der Stadt. Außerdem bekamen schon immer Freunde und Gäste des Kunstvereins bei ihren Besuchen die aktuellen Veränderungen in Hoyerswerda gezeigt. So begann schon früh das, was seit zehn Jahren als Brigitte-Reimann-Spaziergang einen festen Platz im touristischen Angebot der Stadt hat.

Der Anstoß aber, einen Spazierweg an alle Orte zusammenzustellen, die Brigitte Reimann in ihrer Literatur beschrieb, stammt aus Bautzen. „Dort gab es einen solchen Spaziergang an Plätzen vorbei, die eine Malerin gezeichnet hatte“, erzählte Martin Schmidt, der Vorsitzende des Kunstvereins. Nun war die Idee da und die umfangreiche Vorarbeit begann. Die fleißigen Kunstvereinsmitglieder durchsuchten alle Romane, Geschichten, Tagebücher und Briefe von Brigitte Reimann nach Textstellen, in denen sie „ihr“ Hoyerswerda beschrieben und reflektiert hat. Einige wurden für den Spaziergang ausgewählt.

2002, zu Brigitte Reimanns Geburtstag, fand dann der erste statt. „Mit 75 Gästen“, wie sich Martin Schmidt erinnerte. Und bis heute waren 115 Mal Besucher aus Deutschland, Europa und der Welt auf den Spuren der Autorin unterwegs. Der niederländische Architektur-Professor Dr. Ed Taverne, der Sohn von Siegfried Pitschmann, Germanistik-Studenten aus Italien und Frankreich aber auch Urlauber gehörten dazu. Dabei findet die Führung statt, egal wie viele Menschen kommen. „Wir führen jeden und jeder ist uns gleich lieb“, sagte Helene Schmidt. Sie und Deutschlehrerin Angela Potowski lesen an den Weg-Stationen Reimann-Texte, während Martin Schmidt reale Geschichten von Brigitte Reimann und der Stadt Hoyerswerda erzählt und die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft. Wenn sie die Gäste damit begeistern und zum interessierten Fragen anregen können, haben sie ihr Ziel erreicht. „Dann entstehen Gespräche, die die Führung schnell mal auf über drei Stunden ausdehnen“, sagte Angela Potowski,. „aber das ist es wert“.

An zwei Führungen erinnern sich die drei besonders gern. 2009 waren 120 Teilnehmer der Winterakademie Schmochtitz auf dem Reimann-Spaziergang unterwegs und mussten in Gruppen von Brigitte Reimanns Wohnhaus durch die Begegnungsstätte und zur Gaststätte „Glück Auf“ geschleust werden. „Das erforderte einiges an logistischem Geschick, aber wir haben das gemeistert“, erzählte Angela Potowski. Martin Schmidt ergänzte, dass 2004 der Intendant des Theaters Senftenberg, Sewan Latchinian, mit seiner Schauspieltruppe und dem Musiktrio „Wallahalla“ den Reimann-Spaziergang absolvierte. Damals studierten sie gerade das Bühnenstück „Franziska Linkerhand“ ein. Der Aufenthalt an den Originalplätzen half den Schauspielern, ihre Rollen zu verinnerlichen und die Musiker sagten laut Martin Schmidt nach der Führung: „Wir haben hier erst gesehen, welche Musik wir spielen müssen. Jazz und Lipsi sind das Richtige.“ Auf diesem Spaziergang hatte auch Sewan Latchinian angeregt, die Brigitte-Reimann-Begegnungsstätte zu schaffen. „Denn nur Hoyerswerda hat noch einen authentischen Ort dafür“, zitierte Martin Schmidt den Intendanten.

Wer immer nun auf Brigitte Reimanns Spuren Hoyerswerda und seine Menschen entdecken will, hat am 24. März um 10 Uhr die Gelegenheit dazu.

Katrin Demczenko

BU: Die drei Dichterinnen Waltraut Skoddow (links), dei  Meißner SchriftstellerinDichterin Gundula Sell (mitte) und Birgit Richter (rechts) waren vor einigen Tagen beim Kunstverein zum Gespräch am Kamin eingeladen.
am 08. März 2012


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